Wie allgemein bekannt ist, prüfen die Finanzämter seit der Einführung der Abgeltungsteuer verstärkt Kapitalübertragungen durch Eltern auf ihre Kinder, insbesondere an minderjährige Kinder. Die Finanzämter vermuten, dass durch die Zusammenführung des Sparer-Freibetrags und des Werbungskosten-Pauschbetrags auf einen Sparer-Pauschbetrag von 801 EUR, verbunden mit einem generellen Werbungskostenabzugsverbot das Verteilen von Vermögen innerhalb der Familienmitglieder beliebter geworden ist.

Wie Sie wissen, können Sie mit Vermögensübertragungen auf Kinder und einer Verteilung des Vermögens im Familienbund viel Abgeltungsteuer sparen. Denn Kinder zahlen meist keine Steuern auf ihre Kapitalerträge, da sie neben dem Sparerfreibetrag, dem Werbungskostenpauschbetrag  und dem Sonderausgaben-Pauschbetrag auch den Grundfreibetrag nutzen können.

Kindergeld und eigenes Einkommen der Kinder

Mit dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 ist mit Wirkung ab dem 1.1.2012 die bis dahin geltende Einkünfte- und Bezügegrenze in Höhe von 8.004 EUR für volljährige Kinder weggefallen. Ein volljähriges Kind wird daher unabhängig von seinen Einkünften beim Kindergeld berücksichtigt, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.

Effiziente Geldanlagen im Familienbund lassen sich so seit 2012 praktisch ohne Nachteile beim Kindergeld steueroptimal gestalten. Wir stehen Ihnen mit weiteren Auskünften zur Verfügung, sprechen Sie uns gerne an.

Verschärfte Anforderungen an steuerwirksame Vermögensübertragung

Hier gilt jedoch: Wenn Vermögensübertragungen nur zum Schein erfolgen, versagt die Finanzverwaltung die Anerkennung. Zur Klarstellung, unter welchen Voraussetzungen Ihr Finanzamt Vermögensübertragungen anerkennt, wollen wir Ihnen nachfolgend die gängige Verwaltungspraxis kurz schildern. Außerdem wollen wir Sie auf diverse Fallstricke hinweisen. Lösungsansätze sollten Sie gemeinsam mit uns besprechen.

Nach unseren Erfahrungen sehen die Finanzämter bei Vermögensübertragungen auf Kinder dann genau hin, wenn Sie als Elternteil im Vergleich zum Vorjahr verminderte Kapitalerträge in Ihrer Steuererklärung angeben und gleichzeitig eine sog. Nichtveranlagungsbescheinigung für Ihre minderjährigen Kinder beantragen. Eine solche Bescheinigung bewirkt, dass die Bank keine Abgeltungsteuer bzw. Kapitalertragsteuer einbehält. Haben Sie also für Ihre Kinder in den vergangenen Monaten eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt angefordert, gelten Sie grundsätzlich als „verdächtig“. Zur Erteilung einer Nichtveranlagungsbescheinigung ist nicht nur Voraussetzung, dass bei Ihren Kindern keine Steuerveranlagung durchzuführen ist. Es darf auch im Fall einer Günstigerprüfung (Vergleich der Abgeltungsbesteuerung mit einer individuellen Steuerveranlagung) keine Steuer entstehen, d. h. Ihre Kinder dürfen auch mit ihren abgeltungsteuerpflichtigen Kapitaleinkünften den Grundfreibetrag nicht überschreiten.

Wir prüfen gerne die Voraussetzung für die Beantragung einer Nichtveranlagungsbescheinigung und erledigen sämtliche Formalitäten. Im Einzelfall empfehlen wir aber, auf die Ausstellung einer solchen Nichtveranlagungsbescheinigung zu verzichten, um nicht bereits im Vorfeld einen „roten Reiter an Ihre Akte geklebt zu bekommen“. Gerne erläutern wir Ihnen Alternativen und insbesondere, wie Ihre Kinder Kapitalerträge im Ergebnis auch ohne eine solche Bescheinigung steuerfrei vereinnahmen können.

Voraussetzungen der steuerfreien Übertragung

Vermögensübertragungen auf Kinder sind in der Regel nur dann unproblematisch, wenn dieser Schritt endgültig ist. Jeder Hinweis, dass Ihre diesbezügliche Entscheidung wieder rückgängig gemacht werden könnte, gefährdet den Steuervorteil. Das Steuerrecht knüpft den Bezug von Einnahmen aus Kapitalvermögen an das Rechtsverhältnis, auf dem die Überlassung von Kapital beruht. Daraus folgt, dass in der Regel dem Inhaber des Kapitalvermögens die Einkünfte zuzurechnen sind. Das bedeutet für Sie konkret:

  • Für die Steuer genügt es nicht, dass Ihre Kinder zivilrechtlich Inhaber des ihnen übertragenen und in ihrem Namen angelegten Geldvermögens geworden sind und ihnen die Ansprüche gegen die Bank zustehen.
  • Vielmehr muss der endgültige Übergang der Ansprüche gegen die Bank in das Vermögen der Kinder feststehen. Dies erreichen Sie aber nur, wenn Sie als Elternteil bei Abschluss des Vertrags über die Einrichtung eines Sparkontos für Ihre Kinder und bei der Einzahlung der Einlagen den Willen hatten, die Guthabenforderung Ihren Kindern sofort zuzuwenden. Dies muss auch gegenüber der Bank erkennbar sein, z. B. dadurch, dass Sie eine ausdrückliche Regelung zur Begünstigung und Gläubigerstellung der Kinder treffen.

Wir empfehlen, die Gläubigerstellung Ihrer Kinder nicht nur in den Sparbüchern vermerken zu lassen, sondern durch entsprechende Eintragungen in den Kontoeröffnungsanträgen die begünstigten Kinder ausdrücklich als Gläubiger bezeichnen zu lassen. In diesem Fall ist es nach der Rechtsprechung auch unschädlich, dass Sie und nicht Ihre Kinder das Sparbuch aufbewahren.

Darüber hinaus müssen Sie für die steuerrechtliche Zurechnung der Kapitalerträge auf Ihre Kinder auch alle sonstigen Folgerungen ziehen, die sich aus einer endgültigen Vermögensübertragung ergeben. Dies setzt voraus, dass Sie das an Ihre Kinder übertragene Vermögen und die daraus erzielten Einkünfte nur noch im Rahmen der familienrechtlichen Bestimmungen der elterlichen Vermögenssorge entsprechend verwalten. Andernfalls wird die Finanzverwaltung davon ausgehen, dass Sie Ihr Vermögen den Kindern mit der Einschränkung übertragen haben, dass Ihre Kinder zwar zivilrechtlich Inhaber des Vermögens werden sollten, Sie als Elternteil aber im Verhältnis zu Ihren Kindern das Vermögen weiterhin als eigenes Vermögen nutzen. Als Folge werden das übertragene Vermögen und die Einkünfte daraus steuerrechtlich weiterhin Ihnen zugerechnet.

Vermögensübertragungen auf Kinder müssen sorgfältig geplant werden, damit sie steuerwirksam sind. Weil es auf abweichende zivilrechtliche Regelungen im Steuerrecht nicht ankommt, ist es wichtig, dass Sie vor Kontoeröffnung und Übertragung von Vermögen auf Ihre Kinder uns Rücksprache halten. Wir zeigen Ihnen Gestaltungsmöglichkeiten, um größere Auslegungsschwierigkeiten mit dem Finanzamt zu vermeiden. Gerne erläutern wir Ihnen in einem persönlichen Gespräch alles.

Nachfolgende Checkliste soll Ihnen als roter Faden für ein Gespräch gemeinsam mit uns dienen. Die Checkliste ersetzt nicht die individuelle Beratung. In einem Gespräch sollten wir die Details besprechen.

Checkliste
ja nein
Kontoeröffnung
Erfolgt die Kontoeröffnung auf den Namen des Kindes? [ ] [ ]
Wird das Kind als wirtschaftlich Berechtigter angegeben? [ ] [ ]
Wird den Eltern eine Vollmacht ausgestellt, die nicht über die familienrechtlichen Bestimmungen der elterlichen Vermögenssorge hinausgeht? [ ] [ ]
Vermögensübertragung
Wurde im Schenkungsvertrag auf ein freies Rückübertragungsrecht verzichtet? [ ] [ ]
Wird das Vermögen tatsächlich übertragen und gelangt in die Verfügungsmacht des Kindes/der Kinder? [ ] [ ]
Hinweis: Eine notarielle Beurkundung ist bei tatsächlicher Durchführung (Einzahlung der Gelder durch die Eltern auf das Konto des Kindes) nicht erforderlich.
Erfolgt die Umsetzung wie im Schenkungsvertrag und in den Kontounterlagen vermerkt? [ ] [ ]
Werden die Vertragsvereinbarungen tatsächlich und nicht nur fiktiv durchgeführt? [ ] [ ]
Geht die elterliche Fürsorgepflicht nicht über die Verfügungsmacht über das Vermögen bei minderjährigen Kindern hinaus? [ ] [ ]
Wird das Vermögen treuhänderisch verwaltet? [ ] [ ]
Wurde keine Verfügungsmacht erteilt? [ ] [ ]
Ist eine Auszahlung/Kündigung des Vermögens/Kontos durch einen Elternteil nicht möglich? [ ] [ ]